CISAC präsentiert globale Studie zur Kultur- und Kreativwirtschaft auf internationaler Wissenschaftskonferenz

Die Frage, welche neueren Konzeptionen zur Kultur- und Kreativwirtschaft es im internationalen Raum gibt und welche Erkenntnis die Fachgemeinschaft in Deutschland insbesondere zu den Schlüsselthemen Digitalisierung und Innovation daraus ziehen kann, stand im Mittelpunkt einer Konferenz am 23. September, zu der das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes ins Bundeswirtschaftsministerium eingeladen hatte. Vorgestellt wurden die international wichtigsten Studien zur Kultur- und Kreativwirtschaft, welche Wissenschaftler, Regierungs- und Branchenvertreter anschließend gemeinsam diskutierten.

Kultur- und Kreativwirtschaft als Wachstumsmotor

Der internationale Dachverband der Autoren-Verwertungsgesellschaften CISAC (Confédération Internationale des Sociétés d’Auteurs et Compositeurs) war als einzige Nichtregierungsorganisation mit einem Vortrag vertreten. Generalsekretär Gadi Oron präsentierte die gemeinsam mit EY erstellte Studie Cultural Times (2015), die erste Weltkarte zur Kultur- und Kreativwirtschaft. In geographische Zonen unterteilt zeigt die Studie auf, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft mit ihren Sektoren Bildende Kunst, AV/Film, Radio/TV, Presse, Darstellende Künste, Musik, Literatur, Architektur, Videospiele und Werbung einen massiven Beitrag zur Weltwirtschaft leistet und eine zentrale Antriebskraft für die digitale Wirtschaft ist:

Der Studie zufolge beträgt der Anteil der Kultur- und Kreativindustrie an der globalen Wirtschaftstätigkeit drei Prozent (2250 Mrd. US$) im Jahr 2014 und übersteigt damit das Bruttoinlandprodukt von Indien (1900 Mrd. US$). Das entspricht dem anderthalbfachen der Telekommunikationsdienste (1570 Mrd. US$).

Die Branche generiert weltweit 29,5 Mio. Arbeitsplätze. Dies entspricht einem Prozent der globalen Erwerbsbevölkerung und übertrifft die Gesamt-Beschäftigtenzahl der Automobilindustrie in Europa, Japan und den USA zusammen (25 Mio.). Die Beschäftigung von Frauen liegt in der Kultur- und Kreativwirtschaft tendenziell höher als in anderen Branchen.

Kulturelle und kreative Inhalte fördern darüber hinaus neue Geschäftsmodelle und Innovationen im Online-Bereich. Ihr direkter Beitrag zum weltweiten Internet-Handel belief sich im Jahr 2013 auf fast 200 Mrd. US$.

Strategieziele zur Förderung der weltweiten kreativen Gemeinschaft

Im Ergebnis zeigt die Studie die Korrelation zwischen Urheberschutz, Kultur- und Kreativindustrie und wirtschaftlicher Entwicklung auf. Laut CISAC ergeben sich daraus entsprechende Schlussfolgerungen: Erstens seien rechtliche Rahmenbedingungen zum Schutze des Urheberrechts und Sicherung einer gerechten Urhebervergütung als Grundlage zur Förderung des Weltwirtschaftswachstums und zur Schaffung von Arbeitsplätzen essentiell. Zweitens sei es notwendig, eine bessere Partizipation von Kreativen an der Wertschöpfung in der digitalen Wirtschaft zu ermöglichen, indem das Ungleichgewicht ausbalanciert wird, das durch den Wertetransfer als Folge der Privilegierung von Online-Plattformen zu Lasten der Kulturschaffenden entstehe. Drittens sei eine umfassende Talentförderung wesentlich, damit die kreative Gemeinschaft auch weiterhin Innovationen liefern und Antrieb für zukunftsfähige Entwicklungen bleibe.

Internationales Umfeld

Die internationale Sicht auf die Kultur und Kreativwirtschaft wurde ergänzt durch zwei Vorträge von Vertreterinnen aus den Vereinigten Staaten. Bonnie Nichols (National Endowment for the Arts) stellte den NEA Guide to the U.S. Arts and Cultural Production Satellite Account (2013) und den Arts Data Profile #9. The U.S. Arts and Cultural Production Satellite Account: 1998-2013 (2016) vor. Elizabeth Colger (U.S. Bureau of Economic Analysis) präsentierte eine Auswertung mit dem Titel Arts and Culture Grow at Faster Pace as BEA Takes its First Inflation-Adjusted Look (2016). Mit diesen Erhebungen wurde der Sektor in den USA erstmals statistisch erfasst.

Zum Thema Innovation in der Kultur- und Kreativwirtschaft stellte Sacha Wunsch-Vincent von der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) den von der Cornell University, INSEAD and WIPO gemeinsam erstellten Global Innovation Index 2016 vor. (2016). In das Jahresgutachten der Expertenkommission für Forschung und Innovation (EFI) führte Christian Handke von der Erasmus-Universität Rotterdam ein. Die Kommission besteht aus sechs Wissenschaftlern, die im Auftrag der Bundesregierung einmal im Jahr ein Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leitungsfähigkeit Deutschlands vorlegt.

Ein Bericht in englischer Sprache befindet sich auf der Website der CISAC.

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